Studien

Zum Verständnis von Internet-Pornographie Sucht ist ein grundlegendes Verständnis über die Mechanismen hinter jeder Sucht hilfreich. Jede Sucht manipuliert die selbe, fundamentalen Gehirnfunktionen, die auf den gleichen Neurotransmittern basieren.

 

Die aktuelle Forschung legt nahe, dass Verhaltenssüchte (Esssucht, Glücksspielsucht, Abhängigkeit von Videospielen, Abhängigkeit von Pornographie) und materielle Drogen (Alkohol, Nikotin, Kokain, Speed etc) im wesentlichen die gleichen, fundamentalen Mechanismen im Gehirn auslösen, die zu Änderungen in Hirnstruktur und -chemie führen. 

Dies erscheint wenig überraschend, da Drogen nur bestehende, physiologische Funktionen verstärken oder hemmen können. Alle Drogen und Verhaltensstörungen  haben einen gemeinsamen Wirkmechanismus: die Freisetzung von Dopamin im Nucleus Accumbens, dem Belohnungszentrum Deines Gehirns.

 

Dies wurde bestätigt z.B. in Studien der University of Cambridge und dem Max Planck Institute. 

 

In den Studien wurde folgende Korrelationen gefunden:

  • höherer Pornographiekonsum korrelierte mit weniger grauen Zellen im Belohnungszentrum (dorsal striatum) [DOI: 10.3402/snp.v3i0.20767]
  • höherer Pornographiekonsum korrelierte mit weniger Aktivität im Belohnungszentrum beim betrachten sexueller Bilder (Abstumpfungseffekt) [DOI: 10.3390/bs5030388]
  • höherer Pornographiekonsum korrelierte mit der Zahl gestörter Neuronaler Verbindung zwischen Belohnungszentrum und präfrontalem Kortex [DOI: 10.1002/hbm.23447]
  • höherer Pornographiekonsum korrelierte mit höherer präfrontaler Gehirnaktivität bei sexuellen Reizen, aber weniger Gehirnaktivität bei sonstige/normalen Reizen (identisch wie bei Drogenabhängigkeit) [DOI 10.1016/j.jsxm.2016.01.013]
  • 60% der Versuchspersonen mit Abhängigkeit von Pornographie hatten Errektionsstörungen bei menschlichen Partnern, jedoch nicht mit Pornographie [DOI 10.3390/bs6030017]
  • Aufmerksamkeitsstörung vergleichbar zu Konsumenten harter Drogen (Konsum des "Stoffes" hat höchste Priorität, alles andere im Leben wird zur Nebensache), indiziert Sensibilisierung für best. Reize [DOI: 10.3389/fnhum.2016.00402]

 

Sowie im weiteren:

  • die Versuchspersonen berichteten davon Pornos zu "brauchen", jedoch nach dem Konsum keinerlei Interesse mehr daran zu zeigen oder das Material zu "mögen". Dieses Verhalten findet sich auch bei Konsumenten chemischer Drogen, die sofort nach dem "Einsatz" das Interesse verlieren oder in einem "Moment der Klarheit" das eigene Handeln reflektieren ("Was mache ich eigentlich gerade?")
  • je jünger die Versuchperson war, desto größer waren die Auswirkungen auf die Hirnfunktionen
  • höhere EEG (P300) Ableitungen wurden gemessen, wenn abhängige Versuchspersonen Pornographie gezeigt wurde (identisch mit Konsumenten chemischer Drogen)
  • stärkere Ausschläge im EEG bei sexuellen Bildern korrelierte mit weniger berichtetem Verlangen nach Sex mit einer Person
  • höherer Pornographiekonsum korrelierte mit niedrigem LPP Ausschlag beim betrachten sexueller Inhalte (indiziert Gewöhnungseffekt)
  • gestörte oder funktionsunfähige Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden Verbindung, was auf veränderte Neurophysiologie hindeutet