Coolidge Effekt

Was passiert, wenn man eine männliche und eine weibliche Ratte zusammen in einen Käfig setzt? Es ist nicht besonders schwer zu erraten - die beiden kopulieren was das Zeug hält :-) Nach einer Weile fällt jedoch etwas ungewöhnliches auf: Das Männchen verliert nach und nach das Interesse an dem Weibchen. Auch wenn sie weitermachen will - er hat genug. Wenn man jedoch das alte Weibchen mit einem neuen ersetzt, erwacht das Männchen wieder zum leben und befruchtet das neue Weibchen. Dieser Vorgang lässt sich mit einem dritten, vierten usw. Weibchen wiederholen, bis das Männchen komplett entkräftet ist. 

Dieses Phänomen nennt man den Coolidge-Effekt. Es ist ein Wirkmechanismus im Gehirn von männlichen Säugetieren, der neuen Weibchen Priorität bei der Befruchung einräumt, mit dem Ziel, die eigenen Gene möglicht weitläufig zu verteilen. 

Ohne den Coolidge-Effekt würden Internet-Pornos ihren Reiz verlieren. Genau wie die Laborrate, verfügst Du über einen instinktiven Mechanismus, der Dich dazu drängt, die 2-Dimensionalen Weibchen auf Deinem Bildschirm zu befruchten. Primitive Schaltkreise in Deinem Gehirn steuern Deine Emotionen, deine Triebe und unterbewusstes Denken. Sie erledigen ihren Job so effizient, dass die Evolution in den letzten 100.000 Jahren der Menschheitsgeschichte nichts daran verändert hat. 

Eine Ladung Dopamin, bitte 

Für Dich, Ratten und alle anderen Säugetieren, kommt das Verlangen nach Sex von einem Neutransmitter namens Dopamin. Dopamin steuert das Herzstück deines alten Gehirns, Dein Belohnungssystem. Das ist der Teil Deines Gehirns mit dem wir Verlangen und Glück erleben - und es ist der Teil unseres Hirns, mit dem wir süchtig nach etwas werden. 

Dein Belohnungssystem bringt Dich dazu, Dinge zu tun, die Dein Überleben sichern und die Verbreitung Deiner Gene fördern. Mögliche Belohnungen sind z.B. Essen, Sex und Neues. Diesen Typ von Belohnungen nennen wir "natürliche Belohnungen" und sie sind eine gute Sache. Ohne sie hättest Du keinen Spaß am Sex und Du würdest nicht mehr automatisch essen, wenn Du Hunger hast. 

Der evolutionäre Sinn von Dopamin ist, Dich dazu zu bringen, dass zu tun, wass Deinen Genen dient (d.h. Du sollst überleben und viel Sex haben). Je stärker die Dopamin-Ausschüttung in Deinem Gehirn, desto mehr willst Du etwas. Kein Dopamin - und Du ignorierst es. 
Sex, fettiges Essen, Pornos -> viel Dopamin
Sellerie und gelbe Rüben -> wenig Dopamin


Dopamin und Abhängigkeit 

Sexuelle Stimulation und Orgasmen sind die stärksten natürlich verfügbaren Belohnungen für Dein Gehirn und generieren daher die größte natürliche Dopamin-Ausschüttung. Mehr Dopamin geht nur noch mit synthetischen Drogen wie Kokain und Heroin. Einer der Spitznamen von Dopamin ist daher auch "das Molekül der Sucht". Der Volksmund nennt Dopamin oft auch "das Glückshormon", auch wenn das technisch nicht ganz richtig ist. Dopamin ist Motivation, Antrieb und die Suche nach Belohnungen. Es ist das "haben wollen". Die eigentliche Belohnung (z.B. der Orgamus) und das Glücksgefühl kommen vonOpioiden. Dopamin sagt "Ich will das" - und wenn Du es hast, kommen die Opioide und sagen "Hey, das ist toll. Mach das bitte öfter." :-) 

Eine Sucht entsteht, wenn das "haben wollen" Amok läuft. 

Neue Dinge sind interessanter als alte. 

Wenn Du gut aufgepasst hast, dann hast Du bemerkt, dass wir im letzten Abschnitt "Neues" als natürliche Belohnung neben Essen und Sex aufgeführt haben. Das ist kein Versehen - unser Gehirn motiviert uns mit Dopamin, alles zu erkunden, was neu ist. Ein neues Auto, eine neue Folge einer Fernsehserie, ein Frau die wir noch nicht kennen, einen Porno den wir noch nicht gesehen haben. Wie bei allem Neuen wird der Reiz schwächer, je vertrauter es uns wird und der Dopaminspiegel sinkt. Ein neues Auto zu fahren ist super cool am Anfang und wird nach und nach zur Routine. Ein neuer Porno ist interessanter als den, den wir gestern schon gesehen haben. 

Der Coolidge Effekt bei Menschen 

Wenig überraschend verhalten sich Ratten und Menschen identisch, wenn es um neue sexuelle Reize geht. Forscher haben den Versuch von oben wiederholt, diesmal mit Menschen statt Ratten. 

Die Versuchspersonen bekamen ein und denselben Porno 18x hintereinander gezeigt, während ein Sensor die Stärke ihrer Errektionen registrierte. Die Grafik rechts zeigt eine starke Errektion zu Beginn, die mit dann jeder Wiederholung des Pornos schwächer wird. Die Versuchspersonen berichteten von einem subjektiven Rückgang Ihrer sexuellen Erregung und fingen an sich zu langweilen. 

Beim 19. Durchgang tauschten die Forscher den alten Porno durch einen neuen aus. Bingo! Sofort bekamen die Versuchspersonen wieder härtere Errektionen (gelbe Markierung in der Grafik). 

Internet Pornos sagen Deinem Belohnungssystem besonders zu, weil etwas neues immer nur einen Klick entfernt ist. Es kann eine neue Frau sein, eine ungewöhnliche Szene, ein besonderer sexueller Akt etc. etc. Mit mehreren Browsertabs gleichzeitig, vorspulen und gleichzeitiger Masturbation, "befruchtest" Du mehr Frauen in 10 Minuten, als der Höhlenmensch, der Dir Dein Gehirn vererbt hat, in seinem ganzen Leben. 

Wissenschaftler nennen daher Internet-Pornos auch einen Superstimulus - einen Reiz, der unser Gehirn überlastet. 

Porno-Sucht ist keine Sex-Sucht sondern Sucht nach Neuem. 

Das ist der Punkt, den die meisten nicht verstehen und der absolut elementar ist. Porno-Sucht ist eine Abhängigkeit von neuen(!) Pixeln auf dem Bildschirm. Weder Sex noch Masturbation sind das Problem. Ständig neue Pornos mit frischen Weibchen sind das Problem. 

Warum es viel einfacher ist, abhängig von Pornos zu werden, als von Alkohol o.Ä. 

Jeder weiss, dass Dopaminsteigernde Substanzen, wie Alkohol oder Kokain, zu Abhängigkeiten führen können. Studien zeigen jedoch, dass nur etwa 10-15% aller Nutzer, die legale oder illegale Drogen konsumieren, süchtig werden (Ausnahme: Nikotin). Bedeutet das das der Rest sicher vor Abhängigkeiten ist? Wenn es um Substanzmissbrauch geht - vielleicht schon. 

Aber wenn es um unlimitieren Zugang zu super-stimulierenden Versionen von natürlichen Belohnungen geht, wie Sex oder fettiges Essen geht, dann ist die Antwort definitiv nein. Der Grund warum super-stimulierende Varianten von Essen und Sex viel mehr Menschen süchtig machen als Drogen, ist dass unser Belohnungssystem darauf trainniert ist, uns am Leben zu erhalten (Essen) und uns zu vermehren (Sex). Und wenn Du denkst, dass essen nicht süchtig machen kann, dann schau mal nach Amerika - 75% übergewichtig, 35% krankhaft fettleibig. Unser Belohnungssystem findet fettiges Essen sehr gut, weil es vor 100.000 Jahren ein Überlebensvorteil war. Heute ist das in den meisten Ländern der ersten Welt nicht mehr der Fall. Trotzdem ist der Mechanismus noch in unserem Gehirn vorhanden und hat mal eben so ein ganzes Land fett gemacht. 

Und jetzt Schluss mit Essen und zurück zu Pornos, deshalb bist Du ja hier :-) 

Pornos verändern Dein Gehirn physisch.

Du hast gelernt, dass Pornos zu einem starken Dopamin-Anstieg in Deinem Gehirn führen. Aber warum ist das eigentlich schlecht? Es ist deshalb schlecht, weil Dein Gehirn neuroplastisch ist und sich dem hohen Dopamin-Spiegel allmählich anpasst. Dein Gehirn verändert sich also physisch und bestimmte Gehirnarreale werden kleiner. 

Das Bild zeigt einen Brainscan von einem Nicht-Porno-User (links) und rechts von einem Heavy-Porn-User. Unnötig zu erwähnen, dass es das gleiche Verformungsmuster ist, was auch bei Konsumenten harter Drogen wie Kokain immer wieder auftritt. 

Betroffen ist v.A. Dein Belohnungssystem, über das wir bereits ausführlich gesprochen haben. Die darin vorhandenen D2-Rezeptoren - die in Deinem Gehirn das Dopaminlevel messen - bauen sich als Reaktion auf die übermäßige Stimulation ab, wenn Du regelmäßig Pornographie konsumierst. Du machst Dir also Deine Rezeptoren kaputt und schrottest damit Dein Belohnungszentrum. Ouch! 

Auswirkungen von Rezeptorverlust durch Pornographie 

Die deutlichste Folge ist ein enormer Verlust von Energie und Motivation im Leben. Dadurch dass Du Dein Belohnungszentrum an eine Stimulation gewöhnt hast, die es im normalen Leben nicht gibt, verlierst Du Freude & Motivation bei alltäglichen Tätigkeiten. Anzeichen für ein überstimuliertes Belohnungssystem:

- Tagesmüdigkeit (tagsüber schläfrig trotz ausreichend Schlaf)
- wenig Energie / schlapp / unmotiviert / keine Lust / hochmotivert nur bei Porno
- Errektionsprobleme bei echten Frauen (da eine normale Frau langweilig ist im Vergleich zu Pornos)
- Konzentrationsschwäche (Problem längere Zeit konzentriert geistig zu arbeiten) / leicht ablenkbar
- Eskalation (immer extremere Pornos um Dopamin zu bekommen als Reaktion auf Rezeptorverlust)